100 Jahre Ferdinandmarkt

Im Jahre 1908 war es, als ein unternehmender Mann namens Albert Marks ein Grundstück direkt neben dem Kranoldplatz in Lichterfelde-Ost erwarb und darauf einen privaten Wochenmarkt einrichtete. Die Lage war ausserordentlich gut gewählt, lag doch das Grundstück in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs, in dessen Umgebung sich seit den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts ein regelrechtes Einkaufzentrum mit vielen Geschäftshäusern und einem städtischen Wochenmarkt etabliert hatte. Eine Konkurrenzsituation zum städtischen Markt war nicht zu befürchten, da dieser damals schon so stark frequentiert war, das die Errichtung des privaten Ferdinandmarkts nur als Erweiterung, als Bereicherung des Angebots angesehen werden konnte, wovon beide Seiten, sowohl Kunden als auch Händler profitierten.                                       

  Jener Albert Marks war bereits seit einigen Jahren Pächter von öffentlichen Märkten. Mit der Gründung des Ferdinandmarkts begann für ihn der Aufbau einer ganzen Kette von privaten Märkten, eines regelrechten kleinen Marktimperiums mit eigener Spedition zur Belieferung der bis zu 1200 angeschlossenen Händler und sogar einem eigenen Erholungsheim an der Ostsee für die Angestellten der Firma. Dem schnell expandierenden Unternehmen war allerdings keine längere Zeit friedlichen Handels gegönnt. Den ersten schwer zu verkraftenden Schlag erhielt das florierende Geschäft während des Ersten Weltkrieges, zu dessen Ende der Handel fast gänzlich zum Erliegen kam. Dem Wiederaufbau des Marktgeschäfts ab 1918 folgte schon nach weniger Jahren die Inflation, über die Marks aber mit zäher Energie seine Märkte retten konnte.

Danach durfte sich das Geschäft etwa ein Jahrzehnt lang ungehindert entwickeln, bis sich Deutschland eine nationalsozialistische Regierung wählte. Deren wahnwitzige Rassenpolitik zog nicht nur menschliche Tragödien ungeahnten Ausmasses nach sich, sie hatte auch Auswirkungen auf die Wirtschaft: durch Boykott, Vertreibung und Ermordung der jüdischen Händler, die grösstenteils im Textilhandel tätig waren, wurde dem Marktwesen eine der wichtigsten Grundlagen entzogen. Der folgende Zweite Weltkrieg liess dann schliesslich nur noch Trümmer des einstigen Marktimperiums zurück: Die Spedition mit all ihren Einrichtungen und Fahrzeugen war völlig zestört, die zum Unternehmen gehörigen Wohnhäuser, Hallen und Garagen waren zerbombt und die verlassenen, zerfallenen Marktbuden wurden in den folgenden Wintern von der notleidenden Bevölkerung abgerissen und verheizt. Der Ferdinandmarkt wurde von den Alliierten beschlagnahmt und als Lagerplatz benutzt.Marks gelang es aber, seine Grundstücke über den Krieg, die Blockade und die Währungsreform zu halten, so dass 1948 mit dem Wiederaufbau begonnen werden konnte. Im gleichen Jahr übernahm sein Enkel Walter Degenhardt die Leitung des Ferdinandmarkts.

In den sechziger und siebziger Jahren verdrängten die neu aufgekommenen Supermärkte zunehmend die kleinen Einzelhandelsgeschäfte ebenso wie die traditionelen Wochenmärkte. Die Folge war, dass das einstige Grossunternehmen der Marksschen Märkte mehr und mehr zu einem reinen Familienbetrieb schrumpfte. Vielleicht aber hat gerade dieser Umstand, die enge Bindung des Betriebes an die Familie den Ferdinandmarkt bis in die heutige Zeit hinübergerettet; er ist jedenfalls der derzeitigen Besitzer Cornelia Müller-Degenhardt und ihres Bruders Thomas Degenhardt liebtes Kind, war er doch schliesslich der erste eigene Markt ihres Urgrossvaters Albert Marks und somit dessen persönliches Vermächtnis. So fiel zwar Mitte der neunziger Jahre die Entscheidung, auf dem Gelände einen Neubau zu errichten, es war aber auch klar, dass der Wochenmarkt auf jeden Fall erhalten werden müsse.So wurde nun nach anderthalbjähriger Bauzeit am Freitag, dem 11.Juni.1999 der Ferdinandmarkt mit seinem neuen Erscheinungsbild eröffnet.Gleichzeitig fand am darauffolgenden Tag der traditionelle Wochenmarkt statt.Im neuen Ferdinandmarkt sind ausserdem folgende Einrichtungen vertreten:

- Juwelier Dolphin: Fachgeschäft für Schmuck, Uhren und Juwelen, auch online
- Florale Akzente: Blumen, Pflanzen und mehr, auch online
- Friseur Team Clever & Smart: Der Friseur in Ihrer Nähe
- Rund ums Mittelmeer: Geniessen Sie die Delikatessen rund um den Mittelmeer
- Kids Fashion: Kinderbekleidung in Ruhe aussuchen (Altbau)
- Löwenzahn: Spielzeug und Geschenke
- Landleben: Exclusive Live-Style Produkte
- Dr. Kniebel: Ihr Zahnarzt mit dem grossen Leistungsspektrum (Markthalle rechts 1. OG)
- Dr. Steffens: Ihr Facharzt für Innere Medizin (Markthalle links 1.OG)
- Diverse Dienstleistungsunternehmen, Restaurants, Supermarkt

 

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Last Update 26.03.2011